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Kennen Sie noch die alten Styroflex-Kondensatoren, die schönen Rosenthal-Widerstände, die ECH81, PL85 und EF184 Röhre, die stinkenden Selen-Trockengleichrichter, das grün-schimmernde, magische Auge oder auch Sender-Lupe genannt, die für Detektor-Empfänger verwendbare AA112 und OA70 Diode, die alten Klein- und Leistungs-Transistoren, oder den legendären OC71 glaspassivierten Germanium-Transistor, den man auch als optischen Sensor verwenden konnte, wenn man den schwarzen Lack abkratzte? Nein? Das ist zwar schade, macht aber nichts. Später wurde es mit dem SN7400 und der Verbreitung der LED-Leuchtdiode (Light Emitting Diode) etwas digitaler.
Im Alter von etwa 9 Jahren erfolgte dann zu Weihnachten ein Lectron Bastelkasten von Braun, der mir mit meinem Bruder (an den das Geschenk eigentlich gerichtet war) viele schöne Stunden beschehrte. Zuerst wurden natürlich alle 52 Bauvorschläge strikt nach Handbuch nachgebaut und ergiebig ausprobiert. Dann aber wurde es viel interessanter, da Änderungen an den Schaltungen teilweise Verbesserungen hervorbrachten und somit eigene Kreativität gefragt war. So machte ich es dann fortan, wenn mir etwas technisches in die Finger kam - oft zum Nachteil meiner Mitmenschen, deren zu reparierende Apparate und Radios sich anschließend in einzelne Bestandteile auflösten. Ich denke, hier gilt dann der olymische Gedanke: "Hauptsache man hatte es probiert". Zum Geburtstag folgten noch ein Kosmos-Bastelkasten und später ein Chemie-Baukasten (Kosmos Allchemist) mit vielen kleinen Fläschen und sonderbaren Inhalten. Die chemischen Versuche endeten jedoch meistens in einem bunten Stinke-Feuerwerk (Gemisch aus Natriumsulfat, Kaliumpermanganat, Eisenpulfer und Kupfersulfat...), wobei der Kosmos-Kasten meine Radio-Kenntnisse vertiefen konnte. Schließlich hatte ich schon einige Erfahrungen bei verschiedenen Detektor-Aufbauten sammeln können. Damit war die grobe Richtung für mein weiteres Leben eigentlich schon vorgezeichnet.
Lectron-Baukasten zu Weihnachten. Mein Bruder (rechts) und ich (links). So richtig begonnen hatte dann alles mit uralten Schrott-Fernsehern und kaputten Röhren-Radios, um Bauteile zu gewinnen, die ich während meiner Internatzeit mit einer klapprigen Schubkarre im 800 Meter entfernten Dorf am Aggersee bei freundlichen Familien kostenlos abholen durfte und in einer dunklen, ölverschmierten Garage unterhalb der Herberge während der Wintermonate ausschlachtete, dass mir fast die Finger abfroren. Der passende "Lehrstoff" war dazu mein späteres Lieblingsbuch: Werkbuch für Jungen von Rudolf Wollmann. Schnell war klar, was in diesem Buch wohl am interessantesten war: Die Funkfernsteuerung ab Seite 227, die Fernsprechapparate "für den kleinen Lauschangriff", und natürlich die Morse- und Radiotechnik. Das gummimotor-getriebene Bötchen und die Papp-/Holz-Bastelarbeiten, so dachte ich schon darmals, waren ehr was für "kleinere Jungs". Mit einem billigen Lötkolben bewaffnet, machte ich mich nun über die z.T. defekten Bauteile her, in der Hoffnung, dass dabei irgend etwas sinnvolles zustande kommt, was mir (bis auf ein paar Detektor-Schaltungen) nur sehr selten gelingen sollte. Hier ein Detektor-Schaltplan,
wie ich ihn heute bauen würde:
Die ursprüngliche Idee, was man mit einem portablen CB-Funkgerät als 13-jähriger Penäler alles anfangen kann, war wohl zunächst die, im Unterricht während einer Klassenarbeit anstehende Prüfungsfragen von außerhalb lösen zu lassen. Leider sind solche "Unternehmungen" aus Gründen nicht-kabelloser Ohrhörer immer zum Nachteil meines Notendurchschnitts aufgeflogen. Das Problem war zudem die Größe dieser dicken Jedermannfunk-Handys, welches sich kaum in der Schultasche verbergen ließ. Besonders schlimm wurde es, als der Stecker vom Ohrhörer herausrutschte und der quäkende Funkverkehr anschließend im ganzen Klassenzimmer, bis hin zum Lehrerpult schallte. Die Konsequenzen waren drakonisch: Funkgerät weg, Note 6, Klassenzimmer verlassen, anschließende Standpauke beim Direktor ähnlich einer Mordanklage wo das Urteil im Vorhinein feststeht, strenger Verweis im Klassenbuch und die Eltern wurden benachrichtigt, was dann folglich in einen langanhaltenden Stubenarrest mündete. Desshalb meine Empfehlung: Lasst es lieber bleiben, denn der ganze Spass kann auch mal ordentlich nach hinten losgehen. Während den freien Wochenenden
meines Internataufenthalts fanden sich zuhause schnell viele Funkfreunde
auf den 27MHz CB-Frequenzen ein (z.B. Ikarus, Charlie-Bravo, Donau-3, Mecky,
die Nachteule, Rote Kapelle, Rabbit Run, Condor, Rax, Der schwarze Dorfpastor
bzw. Victor-Tango, Tuffi,
Heißer Lötkolben, Bimbo, Raki, u.v.m...), mit denen ich heute
noch teilweise Kontakt auf 2m/70cm habe. Nach und nach haben wir fast alle
die Amateurfunklizenz bestanden
und das Equipment aufgebessert. Die Phonie stand als Betriebsart an erster
Stelle, später folgten Hellschreiben (ein artverwandter Vorläufer
heutiger Faxgeräte), RTTY, SSTV, Packed-Radio bis hin zu 70- und 23cm
ATV.
Die Musiker-Zeit
Viele Mühen und Zeit, sowie alle meine Ersparnisse (wir hatten dann später sogar einen eigenen Band-Bus und eine PA gekauft) brachten es jedoch nur zu insgesammt 8 nenneswerten Life-Auftritten vor Publikum, so dass ich schnell erkannte, dass sich dieser Proben- und Bühnenstress wohl doch nicht lohnt (finaziell betrachtet). Immerhin haben wir es darmals, dank Ralf, bis auf die Rheinterassen Köln (Tanzbrunnen) geschafft und den zweiten Platz vor ca. 4000 Zuschauern eingespielt. Somit ging der erste Plattenvertrag nur knapp an uns vorbei - aber wie heißt es so schön: "Knapp daneben ist auch vorbei". Schade, schade. Vom hochmotivierten Möchtegernprofi zum Gelegenheitsspieler degradiert, habe ich dieses Hobby dann noch bis zu meinem 32zigsten Lebensjahr mit Unterbrechungen fortgeführt. Die PA wurde fürn-Appel-un-en-Ei verkauft, der selbstlackierte Band-Bus (Hanomag 207) gab den Geist auf, und mir wurde das mit der Zeit alles zuviel, da mich die Firma immer mehr beanspruchte. Ja, die beiden Bässe befinden sich auch heute noch in meinem Besitz - und nein, ich verkaufe sie nicht, egal zu welchem Preis. Wer günstige Edelbässe sucht, kann sein Glück mal hier versuchen: http://www.music-point-duisburg.de/ Go-Kart düsen mit
Schumi
Mein erster Kettcar in der Einfahrt Mit etwa 17 Jahren hatte ich mir einen alten Rahmen der Marke Landia zugelegt (ähnl. Abbildung siehe http://www.blue-barons.de..), oder besser gesagt, gegen ein paar große Musiker-Boxen bei meinem Freund Valy in Blessem eingetauscht. Nach einer 120,- DM teuren Behandlung (sandstrahlen und lackieren) konnte der Kart nach und nach wieder aufgebaut werden. Lager wurden gefettet, Schrauben wurden ersetzt, der Sitz wurde mit Glasfasermatten repariert und Bremsen nachjustiert. Da das Modell keinen Motor beinhaltete, wurde kurzerhand eine 5mm dicke Metallplatte seitlich angeschweißt, um einen kleinen 2-Takter Sachs-Motor mit 50 ccm aus einem Moped zu adaptieren. Da keine Kupplung mit schaltbarer Übersetzung mehr vorhanden war, musste die Kette direkt mit einem Ritzel an die Welle montiert werden. Ein kleiner Zapfen auf der Welle verhinderte das Durchrutschen des Ritzels. Mittels Langlöcher in der Platte wurde die Kette dann über verschieben des Motors vorgespannt. Mit der Anzahl und Änderung der Zähne von Ritzel und Kettenblatt wurde ein festes Übersetzungsverhältnis für die jeweilige Strecke vorbestimmt bzw. optimiert. Nach ein paar weiteren Umbauten (Benzinleitung, Vergaser und Auspuff) konnte der Flitzer dann endlich auf Bürgersteigen und Feldwegen ausprobiert werden. Da diese Fahrten auf Dauer zu gefährlich waren, musste eine sichere und legale Stecke gefunden werden. Diese befand sich im nahegelegenen Städtchen Kerpen-Horrem. Da der kleine Moped-Motor nur wenige PS hatte, wurde die Sache etwas langweilig. Ständig überholten mich Michael und andere Fahrer auf der alten, holperigen Strecke, die einstmals Wolfgang Graf Berghe von Trips ins Leben rief. Schumi hatte, dank seines Vaters, die zwei besten Garagen, direkt an der Bahn. Die Kart-Bahn wurde aber leider kurz darauf geschlossen, da sie sich in einem Wohngebiet befand, so dass ich erst mit 18, nach Bestehen meiner Führerscheinprüfung und eines stabilen Dachgepäckträgers am R4, meine zukünftigen Probefahrten in Niederkrüchten fortführen konnte. Nette Nachbarn halfen mir seinerzeit das relativ schwere Gefährt auf den Dachgepäckträger zu stemmen. In Nierderkrüchten hatte ich das Glück, einen wesendlich stärkeren Motor für 250,- DM zu erwerben: Den Parilla Motor! Diese Kraft war unbeschreiblich. Endlich konnte ich jetzt in den vorderen Reihen mitmischen. Der große Leistungszuwachs wurde nicht zuletzt durch die ungedrosselte Umdrehungszahl von bis zu 13.000 UpM. (Umdrehungen pro Minute) erreicht. Darmals gab es nur zwei nennenswerte Motoren auf der Piste: Parilla und Komet. Welcher von Beiden der Bessere war, kann ich nicht beurteilen. Es war wohl eher eine Glaubensfrage. E-Starter, Fliehkraftkupplung, gepolsterte Sitze, Seitenkästen, Frontschild, Spoiler oder doppelte Baudenzüge gab es nicht. Jeglicher Komfort war zu dieser Zeit nur unnötiger Ballast. Gestartet wurde durch anheben des Karts von zwei weiteren Personen, 3 Meter laufen und mit Schwung fallen lassen. Nach ein paar roten Übergrößen Kolben (da Kolbenfresser) hatte ich den Motor dann endlich im Griff (wörtlich genommen per Hand am Vergaser) um durch Entzug von Luft auf geraden Strecken mit fettem Gemisch anschließend mehr Beschleunigung zu erreichen. Dazu benötigte man neben fahrerischem Können auch vorausschauendes Timing und Fingerspitzengefühl bei der Luftdosierung. Damit war mir ab und an auch mal ein zweiter Platz gegönnt. Eine Tageskarte (in Niederkrüchten) kostete darmals 12,- DM. Kart und Sprit musste man natürlich selbst mitbringen. Ohne Werkzeug und Ersatzmaterial war man ebenfalls aufgeschmissen. Eigenbrödlerisches herumschrauben, sowie ölverschmierte Arme und Hände gehörten ebenfalls dazu. Ein Overall hatte zu diesen Zeiten noch eine ganz praktische Aufgabe. Nach einigen Siegen, zeigte mir Michael einmal seine Medallien- und Pokalsammlung, die er in einem alten Holzschuppen bei Hürth aufbewahrte. 1984 wurde er dann Deutscher Juniorenmeister und hatte auch schon kurz darauf seinen eigenen Tour/Montage-Bus mit Werbeaufkleber. Da er von nun an kaum noch Zeit hatte, trennten sich unsere Wege. Die Kart-Europameisterschaft wurde später in einer Kiesgrube bei Kerpen-Manheim an der B 477 ausgefochten. Den Rennsport habe ich mit 26 Jahren aufgegeben. Das Kart wurde samt Motor für 800,- DM verkauft. Heute weiß ich, dass der Verkauf ein großer Fehler war. Ich besitze nicht einmal ein Foto aus dieser Zeit. Bald wird auch nichts mehr an die legendäre von Trips Kart-Bahn erinnern, was einen großen, historischen Verlust hinsichtlich Rennsport und Kultur darstellen dürfte. Die Stadt Kerpen sieht bereits eine Bebauung mit weiteren Wohneinheiten vor. Wie langweilig. Siehe: http://www.stadt-kerpen.de... Lehrzeit
An diese, wenn auch aus Sicht Anderer etwas glanzlose Zeit, erinnere ich mich desshalb so gerne zurück, da Geld, Zeit und Raum keine Rolle zu spielen schien und echte Neuentwicklungen (keine langweiligen und bus-verkomplizierten Selbstwiederholungen wie heutzutage) noch sehr viel Spass machten. Richtigen Spass machten diese Dinge wohl auch desshalb, da keine kryptisch-komplizierten DLL- und SYS-Treiber notwendig waren und man leichtverständlichen Code, sowie ungehinderten, lizenzfreien Zugriff auf sämtliche Register und Ressourcen besaß. Damit waren Kreativität und Erfindergeist für Freidenker gefördert und etliche Möglichkeiten für eigene Pionierarbeit vorgeebnet. Erfindungen
Etwa 2 Jahre später wurde eine weitere Datentransfer-Knobelschaltung mit Exar XR2206 und XR2211 ICs nachgebaut. Dazu erschien 1979 ein sehr umfangreiches Taschenbuch vom Franzis-Verlag mit dem Titel "Amateur-Funkfernschreibtechnik RTTY" von H.-J. Pietsch (DJ6HP). Der Sache nicht müde, haben Richard und ich dann nochmals 1984 jeder ein komplettes 1200 baud MODEM mit dem neuen AM7910 MODEM-Chip aufgebaut. Die serielle Kommunikation fand darmals u.a. mit einem LSI-Terminal statt, wie sie die Raumfahrtbehörde NASA und DFVLR (heute DLR) einsetzten. Weitere Eigenbauten lohnten sich nun nicht mehr, da die Akustikkoppler massiv auf den Markt drängten und die Sache für mich technisch uninteressant wurde. Später habe ich mich zusätzlich dem Amateurfunk gewidmet (erstes Rufzeichen: DG6KAS, jetzt DH1KAL) und z.T. eigene Packed-Radio- und SSTV-Konverter sowie 70cm ATV-Sender mit 2C39 Röhren-Endstufe aufgebaut. Die ATV-Bildqualität B5 auf einer Strecke von Erftstadt bis Wuppertal war schon was besonderes zu dieser Zeit. Die erste SSTV-PC-Karte (mit echten 256 EGA-Farben) hatten darmals mein Freund Jürgen Siebert (Fa. Deditec) und ich entwickelt: Er das "digitale" und ich das "analoge", so wie immer... Die Slow-Scan-TeleVision-PC-Karte wurde jedoch leider nie in Serie gebaut. Innerhalb von "nur" 96 Sekunden konnte ein ganzes high-res EGA-Bild per Funk oder Telefon per Audiosignale übertragen werden. Das war ebenfalls eine Weltneuheit, die leider wieder niemand bemerkte. Nahezu zeitgleich wurde der Bedarf nach einem PC-Videodigitalisierer (VD2000 und VD8008) geweckt, da zumindest Standbilder nun auch "live" übertragen werden sollten, was dann auch während meiner Bundeswehrzeit als auszubildender Siemens BS1000 Operator geschah. Anfangs konnten die Videosignale nur in Schwarz-Weiß digitalisiert werden. Darauf hin wurde noch schnell ein FBAS- Farb-Video-Splitter nachentwickelt, um die Bilder in einem 3-Pass-Verfahren (R-G-B jeweils mit 8-bit) auch in Farbe zu übertragen. Der Splitter wurde zwar günstig angeboten, jedoch nie verkauft und flopte letztendlich. Nun, was meinen Sie: Ob das vielleicht schon das erste Farb-Bild-Telefon war? Gab es so etwas schon? Ich denke, da haben Jürgen und ich wieder mal was total verpennt. Heute werden ATV-Bilder u.a. über Relais-Stationen sogar schon digital übertragen, die mit fast jedem herkömmlichen D-Sat Receiver empfangen werden können (entsprechendes Antennen-Equipment mit rauscharmen Vorverstärkern vorrausgesetzt). Auf diese Weise lassen sich Bildfunksignale über einen größeren Raum verbreiten, sodass mehrere Funkamateure an den technischen Experimenten teilhaben und zu deren Verbesserung gemeinsam beitragen können.
Bild: ATV Relais-Station DB0KO (im Versuch) Herbe Enttäuschungen
Ja, ich hatte sogar einmal die verrückte Idee (etwa Mitte der 80ziger, ganz genau weiß ich das leider nicht mehr, aber es war zu der Zeit, als die Firma Micromint in Erkrath die ersten XT-PCs zum Selbstbau anbot), einen "Licht-Computer" zu entwickeln, wo alle ICs mit phasenmodulierten GHz-Licht-Transmittern (ähnlich den heutigen Glasfasernetzen) ausgerüstet werden und das Kommunikations-Mainboard nur noch aus einer dicken Glasplatte besteht (Buck Rogers und der umgehangene Dr. Theopolos lassen grüßen). GaAs Gallium-Arsenid GHz-Transistoren gab es darmals schon (Fa. Avantek, bsp. GPD402), denn die kannte ich bereits 1982 aus meiner Entwicklerzeit bei der Firma Chen & Lehmann für Ultraschallmessgeräte zur zerstörungsfreien Werkstoffprüfung. Also, so mein erster Gedanke, brauchte man doch "nur" noch diese Technologie in Verbindung mit Licht-Transmittern umsetzen (bsp. auf einem Hybrid-Chip) und mit den bekannten E/A-Schaltungen direkt auf einem DIE koppeln. Die Energiezufuhr der Chips sollte dann von oben her, konventionell über Kupferkabel erfolgen. Leider konnte ich niemanden hierfür begeistern und habe die Idee dann später wieder aus Frust verworfen, denn wer hat schon eine eigene Chip-Fabrik und genügend Schneid, um so eine kostenträchtige Idee auszuprobieren? Ich höre sie schon alle wieder lachen: "Das braucht doch kein Mensch ha ha ha..." Ist nur zu komisch, dass ein großer CPU-Hersteller GaAs-Verbindungen heute (2004) "wieder entdeckt" glaubt und diese "neue" Technologie für die zukünftige CPU-Generation propagiert, wobei diese doch auch schon 1994 bei den Cray3-Computern eingesetzt wurde. -no comment again- Aufgrund des besorgniserregenden UV-Lochs unserer Atmosphäre hatte ich zu Beginn der 90er Jahre die verrückte Idee einen UV-Warner mit dem Namen Sunnyscan zu entwerfen, der die max. Verweildauer (Tagesdosis) eines Sonnenbades bei ungeschüzter Haut der Hauttypen 1-4 angibt. Dazu wurde ein spezieller Gel-Lichtfilter entwickelt, der vornehmlich im Sonnenlicht enthaltete UVA- und UVB-Stahlen sowie Infrarot, bei gleichzeitig hoher Absorbtion von sichtbarem Licht, passieren lässt. Ein spezieller Fotosensor nahm die Messung vor und konnte anschließend die Intensität per LED-Zeile in Echtzeit auf einer Skala von 1...6, ähnlich einer Handfernbedienung, anzeigen. Damit man sich auf diese Werte verlassen konnte wurden zuvor in einem Feldversuch ein Jahr lang kontinuierliche Außenmessungen durchgeführt, die in einem eigens hergerichteten Prüfstand (PC mit hochauflösender Messkarte, div. lichtempfindlichen Sensoren und Filtern, Messverstärker und spezieller Datenerfassungssoftware) sekündlich mitgeloggt wurden. Parallel dazu wurden auf einem weiteren Experimentierkanal verschiedene Lichtfilter auf ihre Absorbtionseigenschaften hin untersucht, um optimale Messergebnisse zu erzielen. Die aus den Messreihen ermittelten Datensätze ließen dabei eine Besonderheit erkennen, welche recht verblüffend (für manche Scheuklappen-Wissenschaftler sogar unglaublich) waren: In nahezu gleicher Weise, wie der gesamte UV-Bereich, wurde auch ein bestimmtes Spektrum im Infrarotbereich durch Schicht- und Wolkenabsortion gleichsam mitbestimmt, sodass eine Analogie der Messwerte und somit der beiden Absorbtionsverhalten zu deren Spektren bestand. Dieser Umstand verhalf mir, den Filter kostengünstig herzustellen, da ansonsten nur spezielle, dickwandige UV-Quarzglasfilter zum Einsatz kämen. Nach erfolgreicher Messreihe wurden die Messdaten mit einem hochwertigen, medizinischen UVA/UVB-Gerät am realen Objekt = die Sonne (nicht an einer künstlichen UV-Quelle) gegenverifiziert und ein Kalibriergerät mit einer speziellen UV/IR-Lichtquelle entwickelt, sodass man den UV-Warner später einheitlich justieren konnte. Diese Arbeiten waren alle sehr kosten- und zeitintensiv, da neben meinem Patent nicht zuletzt auch eine Spritzgussform zur Herstellung des PVC-Gehäuses nötig war. Der break-even-point dieser Neuentwicklung lag bei ~1800 Stück, um in die Gewinnzone zu gelangen. Leider wurden nur sehr wenige UV-Warner zu je 99,- DM verkauft. Nach weiteren Recherchen habe ich dann später erfahren, dass Urlauber am Strand sich lieber nicht mit hautkrebserzeugenden UV-Strahlen und Melanomen befassen möchten, da sie darin eine eklatante Einschränkung ihrer unbeschwerten Urlaubsqualität befürchten. Somit floppte das ganze Projekt. Die Herstellung wurde kurz darauf eingestellt, da unter diesen Umständen kein weiterer Absatz in Sichtweite war. Apropos wussten Sie schon, dass man am Toten Meer keinen Sonnenbrand bekommt? Kein Witz: Denn es liegt 400 Meter unter dem NN Meeresspiegel. Diese Dunstschicht ist so dick, dass keine schädliche UV-Strahlen bis in die niedrigen Luftschichten durchdringen können. Nun ja, dass ist jetzt alles Schnee von vorgestern, den wahrscheinlich niemanden mehr interessiert. Und falls doch, werde ich irgendwann ein Buch darüber schreiben, denn es gibt noch viele dieser mehr oder weniger netten Anekdoten. Alles geht seinen Weg
Tja, das waren sie nun: "Die guten, alten Zeiten", die nun leider passè sind. Wer sich jedoch heute vor neuer Technologie verschliesst, ist bereits schon out - so die übliche Reaktion - wenngleich ein gutes Quantum an Kontinuität und Beharrlichkeit unnötigen Modeerscheinungen der Vortritt gilt. Innovation und Kreativität sind überlebenswichtig für jedes moderne Unternehmen, dass nicht nur an Schlüsseltechnologien teilnimmt. Die unumkehrbare Globalisierung sowie expandierende Märkte fordern heute mehr denn je ein schnelles reagieren auf Kundenwünsche und deren Anliegen. Ständiger Wandel bedeutet stetige Entwicklung - und entwickeln muss man sich täglich, um am volatilen Marktgeschehen teilzuhaben. Nahezu alle 2 Jahre verdoppelt sich die Integrationsdichte bei den Speicher-Chips, die Datenmengen nehmen in ähnlicher Weise drastisch zu (deren IQ hingegen kaum). Um die schnellwachsende Komplexität von neuen Systemen vollständig zu begreifen, muss man sich zwangsläufig spezialisieren, oder man verliert an Marktkompetenz. Entscheidend für den Erfolg sind aber nicht nur technisches Wissen, sondern vor Allem auch praxisorientiertes Können und eine große Portion Ausdauer, sowie den festen Willen, eigene Ideen mutig in die Tat umzusetzen. ![]() Rückblickend, ein letzter und gut gemeinter Tip: Machen Sie nicht den gleichen Fehler wie ich, sondern gehen Sie mit Ihren Erfindungen an die Presse und melden Sie vorher Patente an. Ansonsten werden Sie sich möglicherweise ein Leben lang über diese Fehler und der eigenen Unentschlossenheit ärgern. Und was mache ich heute?
Und ganz privat?
Und das ist natürlich längst noch nicht alles.
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